Die einstige Hauptstadt der Insel war die Stadt Teguise, die sich mit der gleichnamigen Gemeinde auf einer Gesamtfläche von 264 km² erstreckt und hier etwa 16,6 Tausend Einwohner zählt. Zur Gemeinde zählen heute auch die ihr vorgelagerten zahlreichen kleinen Inseln wie etwa Alegranza. 1852 von der heutigen Hauptstadt Arrecife abgelöst, steht Teguise jedoch weiterhin im touristischen sowie kulturellen Interesse.
So verfügt die Stadt mit Bistumssitz über einen wahren Schatz an historischen Zeitzeugen, die sich in besonders prägnanter Weise an den zahlreichen sakralen Bauten wiederspiegeln. Sehr empfehlenswert ist für den interessierten Reisenden ein Besuch der neugotischen Kirche San Miguel, die sich am zentralen Mittelpunkt Teguises befindet. Im 14. Jahrhundert erbaut, zahlreiche male restauriert ist bereits von der Ferne ihr dominierendes Wahrzeichen zu erkennen: der aus rotem Vulkangestein errichtete Glockenturm. In unmittelbarer Nähe lässt sich die Erkundung der sakralen Kirchenkunst weiterführen, und entführt den Reisenden in die prunkvolle Kirche Vera Cruz, die dem 17. Jahrhundert entstammt. Herzstück dieser Kirche ist eine Christusstatue, die der Legende nach in einer einfachen Holztruhe unbeschädigt von den Wellen des Meeres getragen wurde, ehe man sie an der Küste fand. Im Anschluss an diese ehrwürdige Kirche findet man das Dominikanerkloster, welche ebenfalls zwei Kirchen enthält. Während die eine als Kulisse für zeitgenössische Kunst dient, ist San Francesco seit dem Jahre 1590 besonders für sein wundervolles Portal und die sakrale Holzkonstruktion bekannt.
Kenntnisse über die geschichtliche Vergangenheit von Terguise bilden die Basis für eine weitere Erkundung der Stadt. So sollte man wissen, dass die königliche Stadt im Jahre 1406 durch den Neffen des normannischen Eroberers Béthencourt gegründet wurde, und dessen Frau Namensgeberin für Teguise war, dessen erstmalige Bevölkerung die Guanchen den Namen Acatife auserkoren hatten. Allerdings erbrachte diese neue Namensgebung nicht das erhoffte Glück für die Stadt, sondern stellte einen radikalen Gegenpart zum privaten Glück der Herrschertochter Teguise dar. So wurde die Stadt im Jahre 1568 zum Schauplatz eines blutigen Piratenmassakers, welches die Stadt lange Zeit brandmarkte. Heute erinnert an dieses traurige Episode, die sich bis ins Jahr 1618 fortzog noch die Blutgasse mit ihren zahlreichen Gedenktafel, die sich hinter der Kirche San Miguel befindet. Zum Schutz vor weiteren Schicksalsschlägen wurde seinerzeit das Castillo Santa Barbara errichtet, dass auf dem 435 Meter hohen Vulkan Guanapay trohnt.
Angesichts der damaligen zerstörerischen Epoche, sind die heutigen Zeitzeugen in Form der herrschaftlichen Bauten aus dem 17. Jahrhundert von enormer Bedeutung, und stehen auch unter kulturellen Schutz. Besonders sehenswert ist hier der Mareta Platz sowie das aus dem 14. Jahrhundert stammende Zehnthaus. In den Gemäuern des historischen Anwesens Peraza aus dem 17. Jahrhundert findet man das Museum Palacio, welches ergänzt wird vom Museum Sacro, dass zahlreiche Reliquien und Exponate kirchlicher Herkunft beherbergt.
Als Reisender sollte man sich nicht scheuen, die zahlreichen verwinkelten Gassen der Stadt Teguise zu erkunden, und deren eigenwilligen Charme zu entdecken. Mit Sicherheit wird man dann eine der zahlreichen Werkstätten finden, in denen noch heute das traditionelle Instrument der Kanaren - die Timple- gebaut wird. Teguise kann man nämlich als Ursprung dieser Gitarren ähnlichen Laute bezeichnen, die auch heute noch gerne von den zahlreichen Straßenmusiker gespielt wird, die das Stadtbild prägen und für ein besonderes Ambiente sorgen. In diesem Flair verweilt man als Reisender gerne in einen der zahlreichen Cafes am Mareta Platz und genießt das moderne Leben in historischer Umgebung.
Text von Claudia Schleicher
